Canaletto

Wer war Canaletto?

Geboren im Mai 1722 in Venedig, war er bereits mit 25 Jahren auch in Dresden zu einer Berühmtheit avanciert, wo er zum Hofmaler des damaligen sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs berufen wurde. Ab dem Jahr 1753 begann er Ansichten von Pirna in großformatigen Veduten festzuhalten. In dieser Zeit entstanden auch die berühmten Bilder vom Marktplatz und vom Schloss Sonnenstein.

Bernardo Bellotto

genannt Canaletto

* 20.05.1722 in Venedig

+ 17.11.1780 in Warschau

Stil und Malweise

Bei der Anfertigung einer Vedute ging Bellotto stets ähnlich vor. Zunächst wurden mehrere kleine und mittlere Zeichnungen mit Hilfe einer Camera Obscura angefertigt, die dann in einer großen, endgültigen Zeichnung verarbeitet wurden. Diese mit einem Lineal sehr genau angefertigte Zeichnung wurde nun quadriert, d. h. mit einem Liniengitter versehen und mit Hilfe dieser Quadrate dann vergrößert auf die Leinwand übertragen. Ergänzend fertigte Bellotto auch Skizzen architektonischer Details und freie Skizzen der Staffagefiguren im Maßstab des Gemäldes an. Diese Zeichnungen wurden gewöhnlich sorgfältig aufbewahrt, denn sollte ein Bild nochmals ausgeführt werden (was oft geschah), benötigte er nicht das Original, sondern konnte bis an sein Lebensende anhand der Zeichnungen Wiederholungen anfertigen.

Die vorgeleimte (d. h. mit Leim bestrichene) Leinwand wurde zunächst einmal rot mit bolo veneziano, dann noch zweimal grundiert. Auf die fertige Grundierung zeichnete er nun ein Gitternetz entsprechend der Quadrierung auf der Zeichnung, in das er die entsprechenden Quadrate der Zeichnung mit dunkelbraunem Pinselstrich übertrug. Manche Kompositionslinien und architektonische Details zog er mit dem Lineal nach, sie sind manchmal noch mit bloßem Auge erkennbar.

Die Schattenpartien wurden mit lasierender Farbe aufgetragen, die die Grundierung durchscheinen lässt. Die gröberen Partien wurden mit Ölfarbe ausgeführt. Für feine Linien verwendete er Tempera. Manche Linien werden durch Einritzung in die frische Farbe betont. Zuletzt wurden die Staffagefiguren aufgetragen.

Ausschnitt aus dem anlässlich des 300. Geburtstags entstandenen Triptychons des Malers Christoph Wetzel.

Bedeutung

Künstlerisch herausragend war Canaletto insbesondere durch seine detailgetreuen Stadtansichten, zunächst von italienischen Metropolen wie Venedig, Florenz, Rom, Turin und Verona. Seine künstlerische Ausbildung zur Vedutenmalerei mit der Camera Obscura erhielt er in Venedig bei seinem Onkel Antonio Canal. Doch diesen hatte er längst übertroffen. Erfahrungen sammelte er auf zahlreichen Studienreisen.

Canaletto war 25 Jahre alt, als er 1747 dem Ruf König August III. nach Dresden folgte. Er wurde dort zum kurfürstlich-sächsischen Hofmaler ernannt. Nach Venedig und Rom sollte Canaletto nun auch die sächsischen Städte Dresden und Pirna für alle Zeiten festhalten.

Neben zahlreichen Ansichten der Residenzstadt entstanden in dieser Zeit elf großformatige Gemälde von Pirna. Spätere Werke zeigen Wien, München und Warschau. Inmitten dieser europäischen Großstädte ist Pirna die einzige Kleinstadt, die Canaletto seinerzeit künstlerisch ins Bild gesetzt hat.

Am 26. April 1753 unterschrieb der sächsische Premierminister Graf von Brühl das kurfürstliche Dekret über Canalettos Tätigkeit in Pirna:

„Auf der Allerdurchlaucht. pp hierdurch ergehende Verordnung hat der Amtmann Crusius zu Pirna, auch sämmtl. Vasallen und Gerichtsobrigkeiten denen gegenwärtig produciret wird, dem Königl. HofMahler, Bernardo Bellotto Canaletto, welchem die Fertigung derer Zeichnungen über die Situationes deren Gegenden um Pirna, und sonst aufgetragen worden, auf dessen beschehendes Anmelden, mitallem verlangendem ohnweigerlich zu assistiren, und ihm auf keinerley Weise noch Wege etwa hinderlich zu seyn, vielmehr mit allem erforderlichem sonder die Wiederrede, oder Aufenthalt an Hand zu gehen.“

1754 befanden sich in der königlichen Gemäldesammlung bereits vier Ansichten von Pirna. Insgesamt hielt der Maler von 1753 bis 1755 die beschauliche Stadt an der Elbe in elf Veduten und mindestens 25 Repliken fest. Das berühmteste Gemälde ist das Panoramabild „Der Marktplatz zu Pirna“ (1753). Leider ist bis heute wenig über den privaten Alltag des Malers während seines Aufenthaltes in Pirna bekannt.