Das Triptychon und das Relief

Zwei besondere Präsente zum 300. Geburtstag Canalettos im Festjahr 2022

Es war der Anspruch des Canaletto Forums Pirna e. V., im Jubiläumsjahr 2022 den großartigen Barockmaler in ganz besonderer Weise zu würdigen. Immerhin war es gerade dieser Venezianer, der sich in seiner gesamten Schaffensperiode neben zahlreichen europäischen Metropolen nur ein einziges Mal einer Kleinstadt zugewandt hat, unserer Stadt Pirna. Nach einer langen Zeit der Ideenfindung konnte der Vorstand des Canaletto Forums e.V. Ende des Jahres 2017 den hervorragenden Maler Christoph Wetzel und die großartige Bildhauerin Sorina von Keyserling gewinnen, eine Porträtvedute als auch ein Porträtrelief zu erstellen. Beide Werke sind von dem Alleinstellungsmerkmal geprägt, Bernardo Bellotto erstmals ein Gesicht gegeben zu haben. Die Künstler haben nach den Grundsätzen ästhetischer Tradition in Malerei und Bildhauerkunst ihre Werke vollendet, die nunmehr dauerhaft der Pirnaer Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Triptychon

Christoph Wetzel hatte Mitte des Jahres 2018 den Vorschlag unterbreitet, eine porträthafte Annäherung an Bernardo Bellotto mit einer Stadtansicht Pirnas zu kombinieren. Damit war die Idee geboren, Bellotto erstmals ein Antlitz zu verleihen, denn ein gesichertes Selbstporträt von ihm ist in der Kunstwelt nicht bekannt. Lediglich auf seinem letzten Bild aus dem Jahre 1779, einem Historiengemälde mit Bezug auf ein Großereignis in Rom, findet sich ein kleines, mit „Canaletto“ bezeichnetes Medaillon, das von ihm selbst oder seinem Nachfolger stammen könnte. Dies als Grundlage nehmend hat Christoph Wetzel mit Inspiration und künstlerischer Freiheit Bellotto im Alter eines Mitte 30-Jährigen in Pirna porträtiert.

Dabei ist ein Gemälde in Gestalt eines Triptychons entstanden. Es zeigt im Mittelteil denkmalhaft die Dreiviertelfigur Canalettos in monochromer Malweise, illusionistisch vor seiner hochkant gestellten Leinwand mit einer Vorzeichnung des Marktplatzes von Pirna. Dieses Format wird mit einer historischen Kopie, welche die Festung Sonnenstein mit Blick auf die Marienkirche zeigt, hinterfangen, die auf der linken Seite den Blick auf die Altstadt von Pirna freigibt und auf der rechten Seite die Festung Sonnenstein zeigt.

Eine Besonderheit dieses Triptychons ist, dass der Künstler Wetzel eine sogenannte Überlagerungskonstruktion dreier Leinwände angefertigt hat. Dies war in der Malerei des Barocks manchmal üblich, wobei plastische Details mit gemalten Elementen verbunden wurden – hier sichtbar bei der Palette in der Hand Canalettos, die über den Bildrand hinausragt.

Im Pirnaer TouristService am Marktplatz – im sogenannten Canalettohaus – hat dieses künstlerisch bedeutsame Gemälde von Christoph Wetzel dauerhaft seinen Platz gefunden.

Medaillon

Mitte des Jahres 2018 gelang es dem Canaletto Forum Pirna e.V., durch Vermittlung des Malers Christoph Wetzel die Bildhauerin Sorina von Keyserling zu gewinnen, die ebenfalls ein künstlerisches Präsent zum 300. Geburtsjubiläum erstellen sollte. Ihr wurde der Auftrag erteilt, ein Porträtrelief zu fertigen, für das wiederum das kleine Medaillon aus Canalettos letztem Bild von 1779 als Vorlage diente – diesmal allerdings in originalgetreuer Darstellung.

Damit war ein weiteres Alleinstellungsmerkmal geboren: Pirna wird als erste Stadt überhaupt ein Bellotto-Denkmal bekommen! Von besonderer Bedeutung war dabei, mit welchen künstlerischen Inspirationen sich die Bildhauerin dem Gesicht Bellottos nähern sollte. Ihren eigenen Erklärungen zufolge hat sie also zunächst viel über den Maler Bellotto nachgelesen, seine Gemälde betrachtet und seinen Malstil studiert. Wie sie darüber hinaus mitteilt, hat sie wohl eine besondere emotionale Beziehung zu Bellotto aufgebaut und versucht, sich Stück für Stück in seine Physiognomie einzufühlen. Hilfreich war dabei auch eine Barockperücke, um den Eindruck zu bekommen, wie die Haare und die Frisur des Malers nachzuformen waren. Entstanden ist schließlich ein einzigartiges Kunstwerk in Form einer großen Bronzetafel im Format vom 100 x 80 cm, welches nunmehr an den Mauern des Schlosses Sonnenstein oberhalb der Stadt seinen dauerhaften Platz gefunden hat – ein erstes tatsächliches Bellotto-Denkmal!